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15.09.2017

IST MORGEN SCHULE? - Ja, verdammt …

Facebook-Beitrag vom September 2016, in dem DAS ROSS IM RADIO einmal mit Gedankengespinsten aufräumen wollte. Das funktionierte bis heute nicht. Daher hier noch einmal für alle:

“Ist morgen Schule?”

Ich wurde 1977 geboren. Ich habe eine tolle Kindheit erlebt - mit Höhen und Tiefen. Ich habe im Sommer selbst mit Badehose geschwitzt, wie Sau. Aber dafür gab es einen Helenesee in meiner Heimat, in dem ich mich abkühlen konnte. Ich bin im Winter durch den Schnee gestapft und habe durch diesen (manchmal war er knietief) auch meinen Schlitten mit dem Akkordeon zum Musikunterricht gezogen. Ich kam immer an. Ich lebe heute noch. Obwohl ich durch den Schnee irgendwie - auch mit aller Kraft - zu meinem Ziel kommen musste. Ich bin nicht erfroren. Und welch Glück: ich habe sogar etwas gelernt. Nicht nur beim Musikunterricht. Ich habe mir keine Knochen gebrochen (ein Wunder, bei den Winter-Ausgaben, die wir damals erlebt haben). Und: ich war irgendwie auch immer stolz darauf, eine Aufgabe zu haben. Sei es nur der Kampf durch den Schnee zur Schule gewesen…

Ich habe jedoch nur einmal in meinem Leben einen “richtigen” Winter erlebt. Einen echten. Einen, den ich selbst als Kind nie erlebt hatte. Und glaubt mir, damals gab es “richtige” Winter. Zumindest in dem, was wir Kinder uns als Winter vorgestellt hatten. Knietiefer Neuschnee. Eisige Temperaturen. Eisblumen an den Fensterscheiben. Ein Ofen, der nur mühsam mit dem Heizen hinterher kam. Das war für uns Kinder Winter… Und es machte Spaß, riesige Schneemänner bauen zu können, Schneeballschlachten zu veranstalten - mit Wettbewerben, in denen es darum ging, wer die meisten Kumpels abschießt. Es war herrlich. Live, in Farbe, in echt. Nicht beim Computerzocken. Draußen. Aufm Hof oder auf der Straße. Autos fuhren ja nicht. Es gab ja nur ein Winterdienstfahrzeug bei uns damals. Trotzdem hat sich niemand beschwert. Heute gibt’s teilweise zehn und alle meckern. Egal. Wir hatten damals unseren Spaß. Im Winter. Mit echtem Schnee. Schnee, der zentimeeeeeeterhoch lag…

Aber einen “echten” Winter, der eben das, was wir als Kinder noch als Winter kannten, über alles toppte, der kam erst noch. Jahre später…

Es war nicht der, den viele noch aus Erzählungen von ihren Eltern kennen. Denn: im Winter 1978/79 war ich gerade mal 1 Jahr alt. Daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Das ist vielleicht auch ganz gut so. Auf der anderen Seite könnte ich den heutigen Kids vorschwärmen, wie viel Kraft doch dieser Winter gekostet hat. Ich kenne ihn allerdings ebenfalls nur aus Erzählungen.

Aber ich habe Tief “Daisy” erlebt. Das ist noch gar nicht so lange her. Es war Anfang 2010. Und dieser Winter kommt in den “Winter-Charts” gleich nach 1978/79 auf Platz 2. Aber er kommt bei weitem nicht an das, was wir hier heute so erleben.

Lasst uns mal kurz 6 Jahre zurückschrauben:

Ich habe es noch genau vor Augen: ein Wochenende, an dem alles zusammenbrach. Schneemassen schnitten Ortschaften von der Außenwelt ab. Menschen auf der Autobahn waren in ihren Autos gefangen und mussten mit THW, Feuerwehr und freiwilligen Helfern nach Stunden des Ausharrens aus ihren Fahrzeugen befreit werden. Überall Chaos. Wohin man hörte und blickte, das Leben lag brach. Nichts ging mehr. Die Stromversorgung mancherorts war unterbrochen, Wasserleitungen froren ein, Schneeverwehungen sorgten für meterhohe Berge - auch mitten auf der Straße. Es war für die Rettungskräfte ein schweres Unterfangen. Schulen waren am Montag nach diesem Wochenende geöffnet, obwohl niemand daran glaubte, dass auch nur zwei Schüler durch diese Schneemassen zum Unterricht erscheinen könnten…

…ich erhielt einen Anruf - morgens, kurz nach 7 Uhr. An einem Sonntag. Ich hätte mein Telefon gegen die Wand werfen können. Ich ging ran. “Rossi?” - “Hast du den Arsch offen? Guck mal auf die Uhr?” - “Rossi, es ist ernst. Wir sind alle eingeschneit. Keiner kommt zum Funkhaus. Kannst du senden?”

Ich konnte. Ich wohne ja nur einen Steinwurf entfernt. Ich guckte aus dem Fenster und mir fiel alles aus dem Gesicht. SO VIEL Schnee hab ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Mein Auto war weg. Es war zugeschneit. Hätte ich es vom Schnee befreit, hätte ich Stunden gebraucht, und die Straßen waren ja auch meterhoch voll… Also was tun? - Ich stapfte los. Quer Feld ein. Ich brauchte eine dreiviertel Stunde für eine Strecke von gerade mal zehn Minuten. Als ich ankam, war ich komplett durch den Schnee durchnässt. Im Studio zog ich meine Klamotten aus, warf sie über die Heizung, schaltete das Mikrofon ein und fragte, wo gar nix mehr geht. Alle Telefonleitungen voll. Ich spielte keine Musik mehr. Zwei Stunden lang machte ich nur Verkehrsservice. Kollege Steffen Baxalary kam später dazu, kämpfte sich ebenso zum Funkhaus. Wir beide versuchten, Herr der Lage zu werden, alles zu koordinieren und zu sortieren - LIVE ON AIR. Durch Informationen der Hörer, die wir live in die Sendung schalteten, hatten Feuerwehr, Polizei und THW - und dazu unzählige freiwillige Helfer, die mit Traktoren und Schaufeln ausgerückt sind - überhaupt die Chance, zu erfahren, wo die Hilfe am dringendsten benötigt wurde. Knapp 20 Stunden lang saßen Menschen mit ihren Autos zum Beispiel auf einer Autobahn fest, froren, hatten weder Essen, noch Getränke dabei. Wir versuchten On Air, die Rettungskräfte zu lotsen und nicht nur unserer Informationspflicht nachzukommen, sondern vor allem menschlich zu helfen. Und das 18 Stunden lang. Nur nach und nach beruhigte sich die Lage in Mecklenburg-Vorpommern.

Das war ein Winter, der über das Ziel hinaus geschossen war. Zumindest in dem, was “ich” bisher als Winter bewusst erlebt habe. Dieses Wochenende vom 8. bis 11. Januar 2010 werde ich nicht vergessen. Zu sehr hat es sich mit all den Ereignissen in mir eingebrannt.

Offenbar geht es vielen Kids genauso. Denn: seit diesem Tief “Daisy” erlebe ich das in jedem Jahr wieder aufs Neue. Es ist ein Phänomen, das schon zu einem Running Gag geworden ist. Sobald der Winter kommt, warte ich nur darauf, dass Emails in meiner Sendung reinflattern, Facebook-Postings abgesetzt werden oder das Telefon klingelt…

Sobald auch nur eine einzige Schneeflocke irgendwo fällt oder die Warnung vor Glätte auf den Straßen bekanntgegeben wird, gibt es sofort mindestens 30 Kids, die sich melden und fragen:

“Ist morgen Schule?”

Ja! Es ist Schule! Denn Schnee und Eis im Winter sind normal! Und seit 2010 haben wir keinen “richtigen” Winter mehr erlebt!

Das, was jetzt vor der Tür abgeht, ist “Gefussel”. Da fällt etwas vom Himmel, was klein gehackt wurde und einfach herunter fusselt. Das kann man noch nicht mal richtigen Schnee nennen! Das pustet man weg und latscht einfach drüber. Natürlich immer mit der gegebenen Vorsicht! Es könnte ja sein, dass man sich doch die Knochen bricht. So ein hinterhältiger Schnee kann nämlich sehr heimtückisch sein und heutzutage Dinge anrichten, die vor 25 oder gar 37 Jahren noch undenkbar waren. Drei Schneeflocken haben nämlich seit 2010 das in einem Trainingscamp samt Drillinstructor gelernt, was 100 Jahre lang eine ganze Armee von Schneeflocken, bewaffnet mit Panzerfäusten - vollgestopft von Schneeflockenbomben-, nie zustande bekommen hat…

Sagt mal: WIE weichgespült ist diese heutige Schulgeneration eigentlich? Oder ist es einfach nur die blanke Faulheit?

“Ist morgen Schule?” - Was ist das denn überhaupt für eine Frage? Natürlich! Und das ist auch gut so. Denn da lernt man fürs Leben. Ich hab die Alten damals immer für diesen Satz ausgelacht. Dummerweise hatten die damals schon recht. Schule ist immer. Es sei denn, sie explodiert und ist nicht mehr da.

Hier mal ein paar ganz grundsätzliche Fakten - zum Nachlesen. Und, weil viele ja heutzutage “nicht so schnell lesen” können, schreibe ich auch extra sehr, sehr langsam. Und, weil vieles auch gern mal vergessen wird (im Laufe eines Jahres), bleibt diese Notiz hier auch stehen. So kann jeder auch nächstes Jahr noch mal hier nachlesen, bevor er zum Telefonhörer greift und die Welt verrückt macht - in der Hoffnung, einmal mehr irgendwelche Games zocken zu können oder faul in der Gegend “rumzuchillen”…

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern weist (mit erneutem Stand vom 07.01.2016) für die gesamte Winterzeit auf folgende Regelungen hin:

- Kinder und Jugendliche, die ihre Schule wegen widriger Witterungsverhältnisse nicht erreichen können, sind grundsätzlich entschuldigt.

- Bei schwierigen Witterungssituationen in den verschiedenen Regionen entscheiden letztendlich die Eltern, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht.

- Die Schulen sind grundsätzlich geöffnet. Der Unterricht findet statt.

Weitere Informationen können bei den Schulen oder bei den Landkreisen bzw. den kreisfreien Städten eingeholt werden.

Darüber hinaus informieren die Landkreise über Einschränkungen im Schülerverkehr.

Kurz: “JA! Morgen ist Schule!”

Noch Fragen? Immer gern. Einfach mal zur Mama oder zum Papa gehen. Die erklären euch gern, was ein “echter” Winter ist. Die haben ihn nämlich tatsächlich noch erlebt. Damals gab es keinen Schulausfall. - In Worten: KEINEN SCHULAUSFALL - Es sei denn, die Heizungsanlage war ausgefallen und die Eiszapfen wuchsen an den Tischen im Klassenzimmer. Und das war auch der einzige Grunde, neben der oben genannten Explosion, für einen totalen Unterrichtsausfall. Seitdem hat sich nichts an diesem Fakt geändert. Nichts. Gar nichts! Überhaupt nichts. Nichts! Nicht mal ein kleines bisschen. “Nüscht”

Ok, wenn jetzt natürlich alle Lehrer plötzlich von Außerirdischen entführt werden, dann kann der Unterricht natürlich auch nicht gewährleistet werden. Aber dafür gibt’s ja Manuel Neuer. Der macht das schon. Und wenn der gerade nicht kann, ist es Chuck Norris, der alles rausreißt.

Also, “what the f***”? - Morgens rechtzeitig aufstehen, durch 3 cm Schnee losstapfen und Spaß haben.

Viel Spaß beim Lernen! Und kommt mir nicht mehr mit der Frage, ob morgen Schule ist! Es ist zum Mäusemelken! JA, JA, JA. (Früher haben wir noch hinterher gesetzt: “Kapito?”). Heute reicht hoffentlich ein normals “ja” und ein *lol*. Aber auch das werden sie nie verstehen…

PS: Ich freu mich jetzt schon auf die Kommentare. - “Ey, chill ma” - Dafür gibt’s von mir schon vorab ein klares “Nö!”, auch wenn der Rest ein “Ja!” ist…

Admin - 23:06 @ Allgemein, Radio, Privates | Kommentar hinzufügen

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